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S ÖÜWESINNER FÄÜERRÄJDJE

Es ist seit Jahrhunderten Tradition in Obersinn:

Am Rosenmontag wird es FÄÜERRÄJDJE ROGELÖÄSSE.

Das Feuerrädchen symbolisiert die wiederkehrende Wärme und das Licht der Sonne. Und etwa zwanzig junge, unverheiratete Burschen aus Obersinn bringen das sichtbar, und wegen der Hitze des brennenden Feuerrädchens auch spürbar, zu den Menschen im Dorf.

Das hört sich gar einfach an, ist es aber keineswegs. Bereits im Laufe des vorangegangen Jahres wurden große Mengen Reisig gesammelt und genauso wie Stroh zum Trocknen eingelagert. Auch der benötigte Baumstamm wurde bereits Monate vorher im Wald geschlagen und ebenfalls ins Trockene gebracht. Im Laufe des Rosenmontags wird das alles hervorgeholt und zum Obersinner Festplatz gefahren. Hier werden mehrere Lagen Stroh und Reisig um den mächtigen, ca. 18 Meter langen Baumstamm gewickelt.

Nach Beendigung dieser Arbeiten bzw. nach der Fertigstellung des Feuerrädchens werden noch einige „Trockenübungen“ praktiziert. Dazu wird das Feuerrädchen wird mehrmals hochgehoben, denn wenn es am Abend dann zur Sache geht, müssen unzählige Kilos vom Boden auf die Schultern gebracht werden. Das Besondere am ÖÜWESINNER FÄÜERRÄDJE ist ja, dass es nicht gerollt sondern getragen wird.

Die riesige Spindel wird dann auf den Brunnberg westlich von Obersinn transportiert und zu Füßen einer Kreuzigungsgruppe abgelegt. In der Abenddämmerung wird ein großes Feuer angezündet. So nach und nach treffen dort auch einige hundert Schaulustige ein. Viele davon haben auch eine eigene Fackel dabei.

 

Bei den Trägern des Feuerrädchens (die Träger heißen so, weil sie die hell lodernde Riesenfackel brennend zu Tale tragen) macht sich spürbar Nervosität bemerkbar. Immer wieder bilden sie einen Kreis, nehmen sich in die Arme und machen sich stimmgewaltig Mut.

Das Feuerrädchen wird bei vollständiger Dunkelheit dann über das Feuer gehalten bis es lichterloh brennt. Bei dieser Aktion, d.h. beim mühevollen Wuchten auf die Schultern und loslaufen bzw. beim Tragen am steilen Hang stehen auch immer einige „Ehemalige“ bereit um notfalls helfend anzupacken.

Dann gilt es die Riesenfackel Schritt für Schritt den Berg hinab zu tragen. Dabei müssen die Träger nicht nur die Last von jeweils ca. 80 Kilogramm auf den Schultern tragen sondern auch alle paar Meter wegen der großen Hitzeentwicklung durch die mehrere Meter hoch lodernden Flammen ihre Position verändern. Dazu wechseln sie von innen – vom Feuer – nach Außen ans Ende des Stammes. Nach ca. 200 Metern Plage wird dann unter dem Applaus der Besucher der brennende Rest abgeworfen.

Anschließend ziehen dann die Träger in Gruppen von Haus zu Haus und singen den Bewohnern das Lied vom

„ROSE, ROSE BLÜMELEIN, DAS FEUER IST DAS RÄDELEIN“.

Die Obersinner Einwohner sind froh, dass sich immer wieder und immer noch junge Männer finden, die angesengte Wimpern, Augenbrauen, Bartspitzen und Kopfhaare in Kauf nehmen, um diese einmalige Tradition am Leben zu erhalten.

Mittlerweile packen die Burschen vom Obersinner Feuerrädchen im Jahresverlauf auch bei anderen traditionellen Ereignissen mit an, so stellen sie z.B. auch den Kirbbaum auf.

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