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Das Haus am Markt 10 – mehr als eine Geschichte

Schön, dass Sie ein historisches Denkmal sehen. Hier hätte auch  ein großer Parkplatz für die Dorfmitte Mömbris entstehen können. Nicht zuletzt durch bürgerliches Engagement blieb uns dieses, den Dorfkern prägende Ensemble, erhalten.

Vor etwa 250 Jahren wurde dieses Grundstück erstmals bebaut. Zu einem Wohnhaus kam eine Weberei und aus dieser entwickelte sich ein Kaufhaus, das bis in die 1970er Jahre bestand. Während der NS-Zeit diente das Haus auch als Parteizentrale, danach bot es Flüchtlingen Unterkunft. In den 70er Jahren wurde der Laden geschlossen und die Räume dienten nur noch als Lager. Für die neue kulturelle Nutzung wurden 2022 der älteste Teil und der Laden abgerissen. Die Gemeinde Mömbris sanierte das verbliebene Gebäudeensemble aufwändig für eine kulturelle Nutzung.

Reiche Leute können bauen (Familie Bischoff-Feind)

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts befand sich das Ortszentrum von Mömbris in der Nähe der alten Kirche und der Burg, also etwa dort, wo sich jetzt der Friedhof befindet.

Das Haus, das wir heute “Dümig-Haus” nennen, erbaute vermutlich der Lehrer und Gastwirt Joan Josef Bischoff, um 1775. Die zugehörige Scheune befand sich auf der anderen Straßenseite. Er war ein wohlhabender Mann, der durch Erbschaft zahlreiche Grundstücke besaß.  Als gesichert gilt, dass ab 1779 seine Tochter Maria Barbara und ihr Mann Johann Adam Feind (Landwirt und Ortsvorsteher) dort wohnten. Es war eines der ersten Häuser im neu entstehenden Ortskern.

Die “neue” Pfarrkirche wurde erst später, im Jahr 1782/83 errichtet.

Die finanzkräftige Familie Feind baute 1789 in der Roten Hohle 2, für den Sohn Conrad. Auch das Haus Markt 12, das “Feinds-Haus” von 1792, stammt von ihnen. Diese Häuser waren einige der ersten im neu entstehenden Ortskern, und sie prägen diesen bis heute sehr ansehnlich.

Ihre anderen 4 Kinder verheirateten sich, ebenfalls gut situiert, in andere Häuser. Das Haus Markt 10 wurde nach dem Tod von Maria Barbara Feind frei und zum Verkauf angeboten.

Handwerk und Unternehmen

1835 erwarb der „Woll-, Seiden-, Strumpf-, und Zeugweber“ Joan Adam Herbert das Haus. 1839 erweiterte er das Anwesen um ein zweites Haus für seine Weberei und meldete ein Geschäft an. Das für die Produktion nötige Wasser war durch den Bachlauf vorhanden.

Der Anbau und die Verarbeitung von Flachs und Hanf zu Tuch, Stricken und Säcken waren bis zum 18. Jhd. sehr verbreitet im Kahlgrund. Noch im Grundkataster von 1846/47 sind über ein Dutzend Haushalte mit der Berufsbezeichnung „Leineweber“ eingetragen. Wie viele Familien sich neben ihrem Haupterwerb mit in Heimarbeit erstellten Leinen- und Hanfprodukten ein Zubrot verdienten, ist nicht zu ermitteln (Quelle.)

Ein Warenhaus in Mömbris Handel

In der Herbertschen Weberei wurden, wie die ungewöhnliche Berufsbezeichnung „Woll-, Seiden-, Strumpf-, und Zeugweber” schon zeigt, besonders feine Webwaren hergestellt. In welchem der Gebäudeteile dies geschehen ist, kann leider nicht mehr ermittelt werden. Ein Verkaufsladen wurde angebaut. Eine Lizenz für Textilhandel bekamen Herberts 1866 und kurz darauf auch eine für den Verkauf inländischer Produkte. Nun wurden neben den Stoffen und Kurzwaren auch Hüte und Mützen verkauft.

Der Laden erweiterte sein Sortiment um etliche andere Waren, spätestens als Joan Adam Herberts Söhne, Carl (von Beruf Kaufmann) und Bernhard Herbert, etwa 1875 das Ladengeschäft übernahmen.

Hier ein Auszug aus dem damaligen Sortiment:
Fahrräder, Nähmaschinen, Öfen, Kolonialwaren, Zigarren und Zigaretten, Stoffe aller Art, Kurzwaren, Unterwäsche, Hüte und Mützen, Bettfedern, Porzellan, Benzin.

Carl Herbert eröffnete 1873 eine “Postablage”, die 1889 in eine „Postexpedition“ (Postagentur) umgewandelt wurde. Bis zur Kündigung der Postlizenz im Jahr 1903 war die Post in das Kaufhaus der Familie Herbert integriert. Danach zog die Mömbriser Post ins neu gebaute Schulhaus, dem heutigen Rathaus, um.

Das Geschäft war bis zum Tode von Bernhardt Herbert 1934, also fast 100 Jahre, in Hand in der geschäftstüchtigen Familie Herbert.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

1934 übernahm der Schwiegersohn Gottfried van Treek (1888 – 1952) das Geschäft der Familie Herbert. Er war verheiratet mit der Tochter Anna Herbert (1887 –  1947). Als Kaufmann war er glücklos und häufte viele Schulden an. Eine Zwangsversteigerung konnte nur durch eine Bürgerschaft der Geschwister von Anna Herbert verhindert werden. Einer Rückzahlung des geliehenen Geldes an die Familie verweigerte sich Gottfried van Treek zeitlebens. Ab 1938 ist Gottfried van Treek auch Bürgermeister in Mömbris bis zum Ende des Nationalsozialismus. 1952 stirbt er in Mömbris. Nach seinem Tod geht das Haus 1955 an Werner van Treek.

Ende und Neuanfang eines Hauses mit vielen Geschichten

Das Geschäft schließt im Jahr 1975 seine Ladentüren und es wurde still um dieses geschichtsträchtige Haus „Am Markt 10“ in Mömbris. Einige Jahre wurde es zwischendurch bewohnt, ansonsten war es trotz seiner Lage und Geschichte dem Verfall preisgegeben. Vielleicht auch, weil man mit dem Haus seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem damaligen Bürgermeister Gottfried van Treek vor allem diesen Namen mit dem Haus verband. So mancher hätte vielleicht auch gerne mit einem Abriss die Vergangenheit begraben.

Nach der mehrjährigen Sanierung geht das nun öffentlich nutzbare Haus mit Café und Veranstaltungsräumen in eine gute Zukunft. Gewidmet ist dieses Schmuckstück dem ehemals in Mömbris tätigen Kaplan Hermann Dümig. Damit würdigt die Gemeinde insbesondere, dass dieser in der Mömbriser Pfarrkirche St. Cyriakus und in der Kuratie in Feldkahl für seine Überzeugungen als Katholik und gegen den Nationalsozialismus einstand und predigte. Hierfür wurde der Geistliche im Januar 1941 erst in Schutzhaft genommen, um dann vom 4. Juli 1941 bis zum 5. April 1945 im KZ Dachau inhaftiert zu werden.

(Text: Birgit Gemmecker, Maderu Ungermann, Markus Schmitt)

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