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1972: Die EDV hält Einzug in der Aschaffenburger Stadtverwaltung

Sicher ist Ihnen das Plakat zu unserem Projekt „Aschaffenburg 2.0.“ mit dem Titel „Die Stadt per App entdecken“ im Gedächtnis. Es ist der erste „Computer“ in der Stadtverwaltung, der von Hildegunde Fäth bedient wurde, die 1972 frisch von einem 14tägigen Lehrgang der AKDB (Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung) gekommen war und das Gerät bedienen konnte.

Die Stadt Aschaffenburg war zu diesem Zeitpunkt die größte und weitentfernteste Behörde, die bei der AKDB angeschlossen war. Die Stadt Aschaffenburg brauchte dazu ein Eingabegerät, einen Drucker und ein Modem. Die Angestellte Hildegunde Fäth war zu einem 14tägigen Lehrgang in Feldkirchen-Westerham (Landkreis Rosenheim) geschickt worden. Weitere Kurse folgten.

Als erstes wurden die Daten der Stadtkämmerei (Mittelanforderungszettel) auf dem Gerät eingegeben. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Ämter dazu: die Stadtkasse, das Einwohnermeldeamt, das Steueramt, das Sozialamt, das Personalwesen, und andere.

Das Eingabegerät hatte zwei Magnetbandkassetten, die bis zu 200.000 Satzzeichen pro Kassette aufnehmen konnten. Alle eingegebenen Daten wurden nochmals geprüft, bevor sie an das Rechenzentrum überspielt wurden. Die Eingabedaten der Stadtkasse wurden beispielsweise jeden Abend (nach Tagesabschluss) nach Deisenhofen überspielt. Die anderen Ämter hatten von der AKDB vorgegebene Termine, ein- bis zweimal pro Monat, an denen sie ihre Daten übermitteln konnten.

Abends nach 18 Uhr gingen die erfassten Eingabedaten auf der Magnetbandkassette per Modem (Telefonleitung) an die AKDB nach Deisenhofen. Nach der Bearbeitung im Rechenzentrum Deisenhofen wurden sie nachts wieder über die Telefonleitung wieder nach Aschaffenburg überspielt. Damit kein Unbefugter auf die Daten zugreifen konnte, war ein Verschlüsselungsmechanismus eingebaut. Am Morgen konnte Frau Fäth die überspielten Daten zusammen mit einem Aufnahmeprotokoll ausdrucken.

Dieser Text stammt größtenteils von der Person, die auf dem Foto abgebildet ist: Hildegunde Kolken, geb. Fäth. Die heute 72jährige ehemalige Mitarbeiterin ging 2010 in den Ruhestand und hat sich in einem Zeitzeugengespräch gerne zurückerinnert.

Quellen:

Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, DPE 92 (Zeitzeugengespräch mit Hildegunde Kolken, 2022, geführt von Matthias Klotz).

Bild:

Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Fotosammlung Karl-Heinz Liebler, L 2027. Plakatmotiv: Agentur anschlaege (Berlin)

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