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Weltkrieg-1-Denkmal Friedhof Aschaffenburg-Leider – Kaup Karl (1887-1914)

Weltkrieg-1-Denkmal Friedhof Aschaffenburg-Leider

Karl Kaup (1.6.1887–29.9.1914) – 1. Kompanie/135. Preuß. Infanterie-Regiment – vermisst

 

Karl Kaup wurde am 1.6.1887 in Leider, Bezirksamt Aschaffenburg, als zweites Kind des Stationsdieners und Landwirts Heinrich Kaup und seiner Ehefrau Anna Kaup, geb. Stöckinger, geboren.

Abb. 2: Karl Kaup – 1. Juni 1887 – Taufregistereintrag Blatt 149, Eintragnr. 45, Pfarrkirche Unsere Liebe Frau, Aschaffenburg

Ihren Wohnsitz hatte die Familie Kaup[1] im Anwesen Leider Nr. 53.[2]

Abb. 3: Kaup Heinrich – Eintrag im Adressbuch der Stadt Aschaffenburg von 1910, S. 49 – Quelle: Aschaffenburger Adreß-Buch. 1910. A. a. O., S. 49 – Ausschnitt (Fotomontage d. Verf.)

Auf Grund der dürftigen Quellenlage ist von Karl Kaup über seinen persönlichen Werdegang nur wenig bekannt. Ein vorliegendes Nachfahrenverzeichnis[3] für Bartholomäus Kaup, geboren am 26.8.1784, erwähnt für Karl lediglich die Berufsbezeichnung „Zechenschlosser“ und eine Verehelichung mit Elisabeth Schnorrenberg aus Duisburg-Meiderich, geboren am 26.3.1893. Kaups Berufsbezeichnung und die Herkunft seiner Ehefrau lassen den Schluss zu, dass Karl Kaup als Schlosser beruflich auf einer Kohlezeche im Rheinland Arbeit gefunden hatte. Seinen Wohnsitz hatten Karl Kaup und seine Frau Elisabeth nach den Aufzeichnungen im Duisburger Adressbuch von 1912 im Stadtteil Meiderich in der Grenzstraße 54, wo auch Kaups Schwiegermutter wohnte.[4] Auch in Bezug auf seinen militärischen Werdegang gibt es kaum belastbare Quellen.

Abb. 4 – Adressbucheintrag für Kaup Karl im Duisburger Adressbuch von 1912

Ausgehend von seinem Geburtsdatum und seinem Alter zum Zeitpunkt der Mobilmachung, hatte Karl Kaup wohl noch vor 1910 seine Wehrpflicht absolviert[5] und stand 1914 als Reservist zur Verfügung, jetzt aber – auf Grund seines Umzuges nach Duisburg-Meiderich – bei einer in Nordrhein-Westfalen stehenden preußischen Einheit. Seine Einberufung erfolgte mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Tag der Mobilmachung, also am 2.8.1914 [6], zur 2. Kompanie des I. Bataillons im Infanterie-Regiment Nr. 135 [7].

Noch in Friedenszeiten hatte die deutsche Heeresleitung für den Fall eines französischen Angriffs an der deutschen Westflanke klare Anweisungen erteilt: „Gleichzeitig mit dem am 1. August um 5° nachmittags erlassenen Befehl zur Mobilmachung von Heer und Flottes wurde im Bereich von 15 Armeekorps (I., II., V., VI., VIII., IX., X., XI., XV., XVI., XVII., XVIII-, XX., XXI., II. bayer. Armeekorps) der Landsturm ausgerufen.

Die Deckung des Westaufmarsches war zunächst Sache der Grenzkorps (VIII., XVI.[8], XXI., XV. und XIV. Armeekorps) nach den im Frieden vom Chef des Generalstabes der Armee erteilten Weisungen für den Grenz- und Bahnschutz. Da die Feindseligkeiten erst auf Befehl der Obersten Heeresleitung beginnen durfte, war selbst Patrouillen und kleinen Abteilungen das Betreten französischen oder belgischen Gebiets, Luftfahrzeugen das Überfliegen der Grenze streng untersagt. Das Verbot hatte aber ohne weiteres außer Kraft zu treten, sobald der Feind deutsches Gebiet betrat oder überflog. Ungeachtet dieser schon im Frieden getroffenen Bestimmungen schärfte der Chef des Generalstabes der Armee in der Nacht vom 1. zum 2. August von neuem in persönlicher fernmündlicher Rücksprache dem Kommandierenden General des XVI. Armeekorps strengste Zurückhaltung der Grenzschutztruppen, insbesondere die unbedingte Vermeidung jeder Grenzüberschreitung und jeder Feindseligkeit ein. Die gleiche Weisung ging dann noch einmal am Vormittag des 2. August telegraphisch an die Generalkommandos der fünf Korps an der Westgrenze. […] Die Ausübung des Bahnschutzes lag in den Bezirken des XVI., XV., XXI und II. bayer. Armeekorps (Pfalz) ebenfalls aktiven Truppen, im Bezirk des VIII. und XIV. Armeekorps vornehmlich Landsturmtruppen ob.“[9]

Kaups Kompanie übernahm während der ersten 6 Mobilmachungstage den Grenz- und Bahnschutz im Ort Hayingen (frz.: Hayange) etwa 20 km westlich von Diedenhofen (frz.: Thionville).

8.8.1914   Ausmarsch des Regiments aus Metz über Illingen nach Annery und Ay (I. Btl.)

9.–17.8.1914   Grenzsicherungsarbeiten – Ausbildung

Abb. 5 – Das Infanterie-Regiment 135 innerhalb der Armee des deutschen Kaiserreiches – nach: Cron, H.: Geschichte des Deutschen Heeres im Weltkriege 1914–1918. Berlin 1937; Histories of two hundred and fifty-one divisions of the German Army which participated in the war 1914–1918. S.402; Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. Argonnen. A. a. O., Anhang

 19.8.1914   Ausmarsch des Regiments aus Ay und den übrigen Bataillonsunterkunftsorten

19./20. 8.1914   Vormarsch gegen die frz. Grenze – Unterkunft in Ruxweiler und Nonkeil – erfolgloser Beschuss zweier frz. Flugzeuge, die zwei Bomben über Nonkeil abgeworfen haben

21.8.1914   Erste Feindberührungen westlich Nonkeil und bei Audun le Roman

22.8.1914   Das Gefecht bei Audun le Roman–Higny endet abends mit der Einnahme von Higny. Die ersten Verluste des Regiments: 2 Offiziere, 20 Unteroffiziere und Mannschaften.

23.8.1914   Feindverfolgung über Xivry bis 2 km südöstlich Réchicourt; dort Bereit­schaftsstellung für 33. Inf.Div.

Karte 1: August 1914 – Aufmarschgebiet der 5. und 6. deutschen Armee an der Westfront 

 24.8.1914   Schlacht bei Baroncourt (l`Othain-Abschnitt): 2o nachm. erfolgt Befehl zum Inf. Angriff: Rechter Flügel (III. Btl.) in Richtung Bouvigny–Bois de la Viécourt, linker Flügel (II. Btl.) auf Baroncourt. Art. Duell ist seit 10o vorm. im Gange. Die Kpn. gehen in dünnen Schützenschleiern bis zu Feuereröffnung vor und arbeiten sich in heftigem Front- und Flankenfeuer an den zahlenmäßig überlegenen Feind heran.

 Karte 2: 24.8.1914 – Das Inf.Reg. 135 in der Schlacht bei Baroncourt

Gefecht kommt zum Stehen, Verluste mehren sich. Da wird 6o nachm. M.G.K. (Maschinengewehrkompanie, Anmerkung der Redaktion) eingesetzt, die in schneller Gangart bis unmittelbar hinter die Inf.Linie vorfährt, die Gewehre zugweise einsetzt und den Gegner aus seiner Stellung herausschießt. Baroncourt, das an mehreren Stellen brennt, wird im Sturm genommen, die Bahnlinie besetzt. Gegner flieht auf Eton, seine Kolonnen werden von Inf. u. M.G. befeuert. Rgt. drängt nach, besetzt Höhenrücken südwestlich Baroncourt. [10] […] Mit berechtigtem Stolz blickt das Rgt. auf sein erstes größeres, glänzendes, aber leider auch sehr verlustreiches Gefecht zurück“[11] heißt es dann später in der Regimentschronik. Den Preis für so viel Stolz nannten die Verlustlisten: 12 Offiziere und 411 Unteroffiziere und Mannschaften.

25.–27.8.1914           Im Rahmen der frz. Gegenoffensive Rückzug über Haudelacourt nach Ollieres – Ruhetag

 Karte 3: Weg des Infanterie-Regiments Nr. 135 im Zeitraum 21.8. bis 24.8.1914

 28.8.1914   Wiederaufnahme des Vormarsches über Baudoncourt nach Mangiennes

29.8.1914   Vormarsch gegen die Maas: Mangiennes – Damvillers – Sivry-sur-meuse

30./31.8.1914   Vorbereitung der Maasüberquerung – Aufklärungsaktionen am linken Maasufer

1.9.1914   Maasüberquerung von Sivry aus mit Kriegsbrücken bei Vilosnes gegen heftige frz. Gegenwehr – Nachsetzen über Maasgrund nach Dannevoux[12] – schweres Gefecht mit frz. Einheiten – schwere Verluste auf beiden Seiten; alleine das III. Bataillon des 135. Inf.Reg. verzeichnete 10 Tote, 60 Verwundete und 1 Vermissten

Karte 4: Vormarsch des Inf.Reg. 135 vom 28.8. bis zum 1.9.1914

2.–5.9.1914   Feindverfolgung über Septsarges – Monfaucon – Avocourt – Parois – Julvécourt

6.9.1914   Gefecht bei Ippécourt – abermals hohe Verluste beim III. Bataillon und bei der Maschinengewehrkompanie: 24 Tote, 95 Verwundete, 19 Vermisste

7./8.9.1914   Verschanzen in Stellung nördl. der Straße Ippécourt-Fleury – Zunahme der frz. Verteidigungsanstrengungen

9.9.1914   Stopp des Vormarsches[13]

Karte 5: Einsatzweg des Inf.Reg. 135 in den Argonnen vom 31.8. bis 10./11.9.1914 mit anschließendem Rückzug vom 11. bis 14.9.1914

9.–10.9.1914   Nachtgefecht bei Heippes – „Die mit dem 6. September beginnende allgemeine französische Gegenoffensive, die unter dem Namen der `Marneschlacht´ zum Verhängnis für Deutschland wurde, führte zu schweren Begegnungskämpfen südöstlich der Argonnen. Am 9./10. September spielte sich hier die in der Kriegsgeschichte einzig dastehende nächtliche Feldschlacht von Louppy-Heippes ab, in der fünf Divisionen und zwei gemischte Brigaden der 5. Armee in stockfinsterer, regengepeitschter Herbstnacht den Feind mit dem Bajonett angriffen. Das fürchterliche, mit Strömen von Blut bezahlte Ereignis bildete den Auftakt einer unendlichen, schweren Kampfzeit, in deren Bereich nun auch der eigentliche Argonnenwald trat.“[14]

Karte 6: 9./10.Sept. 1914 – Nachtangriff der 5. Armee bei Heippes

 11.9.1914   Verlegung nach Fleury – Der Vormarsch der deutschen Armeen ist nach der Schlacht an der Marne gestoppt bzw. teilweise sogar der Rückzug[15] angeordnet. „Der Bewegungskrieg ist am Erlöschen, der Stellungskrieg tritt an seine Stelle.“[16]

12.-16.9.1914   Rückzug nach Norden über Froidos – Clermont – Boureuilles – Ivoiry – Stellungsbau auf dem Höhenzug südlich Ivoiry[17]

Karte 7: Die 33. Inf.Div. in der Schlacht um Varennes 

17./21.9.1914   Beschuss des Dorfes Ivoiry durch frz. Artillerie als Auftakt der Schlacht um Varennes (17.-24.9.14). Der Regimentschronist stellte fest: „Die Tage bis 21. September verlaufen gleichmäßig: ein Teil hält die Stellung besetzt und baut sie weiter aus, ein Teil ruht alarmbereit in Ivoiry bzw. seit 19.9. in Cierges. Feind erreicht am 16. 9. die Linie Varennes–Cheppy–Bois Chéhémin. Am 17. 9. wird Ivoiry stark beschossen. Ein Volltreffer durchschlägt eine Scheune der M.G.K. Verlust: 4 Mann, 7 Pferde tot, 4 Mann verwundet. Am 18. 9. erneute verlustreiche Beschießung des Dorfes. Die Witterung ist dauernd ungünstig.“[18]

 Karte 8: 17.–26.9.1914 – Kampfgelände der 67. Inf.Brig. im Raum Epinonville–Véry–Cheppy–Vauqois und Varennes  

22.9.1914   Vormarsch des XVI. Armee-Korps Richtung Süden auf die Linie Very[19]–Höhe 242 – Feindliches Artilleriefeuer sorgte schon am ersten Schlachttag für 155 Mann Verluste alleine beim Inf.Reg. 135.

24.–26.9.1914   Nach unfreiwilliger Kampfpause Vorstoß auf das Höhendorf Vauquois[20] – Einnahme des Dorfes nach ganztägigem Artilleriegefecht – schweres gegnerisches Artilleriefeuer auf das fast völlig zerstörte Dorf

27.9.1914   Verlegung des Regiments nach Apremont[21]

28.9.1914   Über Varennes Marsch in die Argonnen mit starkem Beschuss durch frz. und eigene Truppen

„Die Argonnenkämpfe des Weltkrieges haben sich fast nur in dem mittleren Teile des Waldgebirges abgespielt, auf dessen Höhenkamm die vorerwähnte uralte Römerstraße läuft, die damals z. T. verfallen, z. T. noch benutzbar war. Etwa 3 km südwestlich von Varennes kreuzt sie die Straße Varennes—le Four de Paris, in der Gegend des Abri du Crochet, dem späteren „Hanauer Platz“, schneidet sie den Weg Montblainville–Servon und bei la Viergette, einem alten, in einen Baum eingelassenem Heiligenbild, die Straße Apremont–Binarville. Diese drei größeren Wege sind die einzig brauchbaren, ostwestlich verlaufenden Querverbindungen durch die mittleren Argonnen. […] Die Geländegestaltung der Argonnen ist außerordentlich abwechselungsreich. Charakteristisch sind die schon erwähnten, vielen kleinen Wasserläufe, die, z. T. tief eingeschnitten, das Kampfgelände zerklüften. Es entstehen auf diese Weise in regelloser Vielgestaltigkeit die mannigfaltigsten Bergformationen, bald breite Bergrücken, bald schmale Zungen, hier runde Kuppen, dort schroffe Grate. Häufig bilden sich natürliche Festungen, wie z. B. der bastionsartig vorspringende Felssturz am westlichen Charmes-Bach-Hange, die „Eselsnase“, oder der trutzige Bergkegel des „Storchennestes“.

 Abb. 6: Patrouille in den Argonnen

Zerrissen und wildromantisch, finster und unwegsam, streckenweise sumpfig, dann wieder felsig, bietet das Gelände schon dem friedlichen Wanderer, der sich außerhalb der Wege bewegen will, Schwierigkeiten. Durch die Bodenbewachsung werden diese noch gesteigert. Infolge der natürlichen Feuchtigkeit und des Quellenreichtums im Innern des Waldes wuchern Schlinggewächse aller Art, Efeu und Brombeeren, Farne und Ginster üppig empor und machen das Unterholz, das schon an und für sich dichtgedrängt steht, zu einem undurchdringlichen Hindernis. Schlanke Haselnußstauden, Stechpalmen, dünnes Stangenholz, wildes Gestrüpp und Buschwerk bilden ein verfilztes, unentwirrbares, urwaldartiges Dickicht, über das sich der Hochwald, riesige alte Buchen und Eichen, emporwölbt.[22] Nie trocknen auf dem gegen jeden Sonnenstrahl abgeschlossenen Waldboden die Pfützen und Tümpel ganz aus. Lichtungen waren zu Beginn der Kämpfe selten vorhanden, lichter Hochwald fand sich nur an den Rändern, die Folgen des Mangels jeder geregelten Forstwirtschaft waren überall zu spüren. Auch die Wasserläufe, die Fluß- und Bachtäler, hatten ein verwahrlostes Gepräge; an den felsigen Steilhängen wucherte Gestrüpp, die Talsohlen waren häufig versumpft, das Wasser trübe.

Diese eigenartigen Verhältnisse des Kampfgeländes stellten Führung und Truppe vor ganz neue Ausgaben. In der Tat sind im Argonnerwalde sehr bald neue Angriffsformen und -mittel erfunden worden, die von hier ihren Weg über die ganze Kampffront des Westens nahmen.

Die große Überraschung des Weltkrieges, der jahrelange Stellungskampf, fand hier seine ausgeprägteste Form.“[23]

Karte 9: Deutsche Frontlinie im Abschnitt der 33. Inf.Div. Ende September/Anfang Oktober 1914. – Quelle: Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Regiments. 343. Band. Feldartillerie-Regiment Nr. 34. Bearb. v. Siegfried Blume. Oldenburg i. O. 1931. Karte 12

29.9.1914   Einsatzbeginn des 135. Inf.Reg. in den Kämpfen im Argonnerwald (25.9.14–5.8.16)[24]

Mit dem heutigen Tag beginnen die Kämpfe in den Argonnen, die nie zum Abschluß kommen sollten, und die die Armee des Kronprinzen vor die schwerste und entsagungsvollste Aufgabe stellten. Hier erlebte der Minenkrieg seine Auferstehung und verschlang in seinen Trichtern Freund und Feind. Was hier an Tapferkeit, Todesverachtung, an Erfindergeist und Arbeitskraft geleistet, an Entbehrungen ausgehalten worden ist, läßt sich in diesen Blättern im einzelnen nicht schildern. Jeder Tag war ein Kampftag.[25]

Für Karl Kaup sollte dieser 29. September 1914 sein letzter Kampftag werden. Der Regimentschronist hat die Ereignisse dieses Tages so zusammengefasst: „Gefecht bei La Barricade-Pavillon. 6.30 vorm. steht Rgt. auf den Biwakplätzen bereit. Feind soll von 66. I.B. und dem I.R. 135 geworfen werden. Es regnet leise. 

7.30 vorm. erfolgt der Angriff, mit I.R. 135 (I. u. III. Btl.) nördl. der Varenner Straße. Die Franzosen, Rgt. 131 und Jäg.Rgt. 19, meisterhaft im zerklüfteten, undurchdringlichen Waldgestrüpp mit flankierenden M.G. eingegraben, wehren sich tapfer. Um ihren Hauptstützpunkt an der Straße, La Barricade, wogt der Kampf; der Angriff kommt nicht vorwärts. 9.30 vorm. werden wegen `moralischer Wirkung´ Zug Müller und Poser der M.G.K. eingesetzt. Erfolglos. […] 11° vorm. beschießt schwere Artillerie die französische Stellung, von der zwar niemand weiß, wo sie liegt, um sie sturmreif zu machen. Daraufhin erfolgt 3° nachm. der allgemeine Sturmangriff mit Trommeln und Trompeten. […] Auch dieser Angriff ist erfolglos, aber verlustreich. An der Wirkung des Stützpunktes La Barricade prallen alle Angriffe ab. […] Verluste des Rgts. am 29.9. Offiz., Utffz. u. Mannsch.: tot 21, verwundet 142, vermißt 38.“[26]

Karl Kaup war einer der 38 Vermissten aus den Reihen des Inf.Reg. 135. In einem Personenregister des Internationalen Roten Kreuzes wurde für Karl Kaup festgestellt:

Abb. 7: Vermisstenkartei des Internationalen Roten Kreuzes für Kaup Karl[27] 

 In den amtlichen Deutschen Verlustlisten erschien die Meldung über den Vermisstenstatus von Karl Kaup erst einen Monat nach dem ersten Kampftag seines Regiments im Argonnerwald südwestlich von Varennes bei der Kampfstellung La Barricade. Da der Regimentsbericht keine Gefangennahmen erwähnte, ist davon auszugehen, dass Kaup entweder verschüttet oder von einem Artilleriegeschoss schwer getroffen wurde.

Abb. 8. Kaup Karl – Meldung in der Deutschen Verlustliste,160. Ausgabe vom 31.10.1914. Seite 2085 

Im Friedhof in Aschaffenburg-Leider wird auf dem Denkmal für die Opfer des 1. Weltkrieges aus dem Aschaffenburger Stadtteil an Karl Kaup im ersten Eintrag für die vermissten Soldaten erinnert. Eine gleichlautende Zeile enthält die Gedenktafel im rückwärtigen linken Seitenschiff der örtlichen Pfarrkirche St. Laurentius.

Abb. 9: Weltkrieg-1-Denkmal in Aschaffenburg-Leider – Eintrag für Kaup Karl 

 

Anhang:

Abbildungen:

Abb. 1: Weltkrieg-1-Denkmal Friedhof Aschaffenburg-Leider – Foto: Peter Grasmann

Abb. 2: Kaup Karl – 1. Juni 1887 – Taufregistereintrag Blatt 149, Eintragnr. 45, Pfarrkirche Unsere Liebe Frau, Aschaffenburg – Quellle_https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/wuerzburg/aschaffenburg-unsere-liebe-frau-innenstadt/00315/?pg=69

Abb. 3: Kaup Heinrich – Eintrag im Adressbuch der Stadt Aschaffenburg von 1910, S. 49 – Quelle: Aschaffenburger Adreß-Buch. 1910. A. a. O., S. 49 – Ausschnitt (Fotomontage d. Verf.)

Abb. 4: – Adressbucheintrag für Karl Kaup im Duisburger Adressbuch von 1912 – Quelle: Duisburger Adressbuch, 1912. S. 404 [433] – Link: https://dfg-viewer.de/show?tx_dlf%5Bdouble%5D=0&tx_dlf%5Bid%5D=http%3A%2F%2Fwww.duisburg.de%2Fdigitalisate%2Fstadtarchiv%2FAdressbuecher%2FAdressbuecher_DU_1912%2Fmets.xml&tx_dlf%5Bpage%5D=433&cHash=affa3c1784b808be66e084dfedc5a6d0

Abb. 5: Das Infanterie-Regiment 135 innerhalb der Armee des deutschen Kaiserreiches – nach: Cron, H.: Geschichte des Deutschen Heeres im Weltkriege 1914–1918. Berlin 1937; Histories of two hundred and fifty-one divisions of the German Army which participated in the war 1914–1918. S.402; Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. Argonnen. A. a. O., Anhang

Abb. 6: Patrouille in den Argonnen – Quelle: Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. A. a. O., Tafel 2

Abb. 7: Vermisstenkartei des Internationalen Roten Kreuzes für Kaup Karl – Quelle: https://grandeguerre.icrc.org/en/File/Details/3467714/1/2/

Abb. 8. Kaup Karl – Meldung in der Deutschen Verlustliste,160. Ausgabe vom 31.10.1914. Seite 2085. Link:  https://des.genealogy.net/search/show/555902 – UUID: 45df20d9-6482-11ef-b615-0242ac104001 – Fotomontage: P. Grasmann

Abb. 9: Weltkrieg-1-Denkmal in Aschaffenburg Leider – Eintrag für Kaup Karl – Foto (Ausschnitt): P. Grasmann

 

Karten:

Karte 1: August 1914 – Aufmarschgebiet der 5. und 6. deutschen Armee an der Westfront – Quelle: Der Weltkrieg 1914-1918. Bd. 1. A. a. O., S. Karte 1 (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 2: 24.8.1914 – Das Inf.Reg. 135 in der Schlacht bei Baroncourt – Quelle: Erinnerungsbl. dt. Regimenter. Bd. 343. A. a. O., Karten 3 und 4, (bearb. d. Verf.)

Karte 3: Weg des Inf.Reg. 135 im Zeitraum 21.8. bis 24.8.1914 – Nach: Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S. 16 – Kartengrundlage: Schlachten des Weltkrieges. In Einzeldarstellungen bearbeitet und herausgegeben im Auftrag des Reichsarchivs. Bd. 18. Argonnen. A. a. O.; Karte 1 (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 4: Vormarsch des Inf.Reg. 135 vom 28.8. bis zum 1.9.1914 – Nach: Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S.17 ff. – Kartengrundlage: Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. A. a. O., Karte 1 (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 5: Einsatzweg des Inf.Reg. 135 in den Argonnen vom 31.8. bis 10.9.1914 mit anschließendem Rückzug vom 11. bis 14.9.1914 – Nach: Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S.17 ff. Kartengrundlage: Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. A. a. O., Karte 1 (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 6: 9./10.Sept. 1914 – Nachtangriff der 5. Armee bei Heippes – Quelle: Der Weltkrieg 1914–1918. Bd. 4. A. a. O., Skizzen. Blatt 2. Skizze 2. (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 7: Die 33. Inf.Div. in der Schlacht um Varennes – Quelle: Der Weltkrieg 1914–1918. Bd. 5. A. a. O., Karte 3; (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 8: 17.–26.9.1914 – Kampfgelände der 67. Inf.Brig. im Raum Epinonville–Véry–Cheppy–Vauqois und Varennes – Quelle: Erinnerungsbl. dt. Regimenter. Bd. 343. 34. Feld.Art.Reg. A. a. O., Karte 11 (Ausschnitt; bearb. d. Verf.)

Karte 9: Deutsche Frontlinie im Abschnitt der 33. Inf.Div. Ende September/Anfang Oktober 1914 – Quelle: Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Regiments. 343. Band. Feldartillerie-Regiment Nr. 34. Bearb. v. Siegfried Blume. Oldenburg i. O. 1931. Karte 12

 

Literatur:

Aschaffenburger Adreß-Buch. Adreß- und Geschäfts-Handbuch für die Kgl. bayer. Stadt Aschaffenburg einschließlich Damm und Leider. Aschaffenburg 1910. Stadt- u. Stiftsarchiv Aschaffenburg, Präsenzbibliothek

Cron, H.: Geschichte des Deutschen Heeres im Weltkriege 1914 – 1918. Berlin 1937.

Adreßbuch der Stadt Duisburg, 1912. Gesamtstadt einschließlich der mit Duisburg seit 1. Oktober 1905 vereinigten Stadtteile D-Meiderich und D-Ruhrort. Nach amtlichen Quellen bearbeitet vom Duisburger-Adreßbuch-Verlag. Duisburg 1913. – Link: https://dfg-viewer.de/show?id=9&tx_dlf%5Bid%5D=http%3A%2F%2Fwww.duisburg.de%2Fdigitalisate%2Fstadtarchiv%2FAdressbuecher%2FAdressbuecher_DU_1912%2Fmets.xml&tx_dlf%5Bpage%5D=3

Andrees allgemeiner Handatlas – in 221 Haupt- und 192 Nebenkarten mit vollständigem alphabetischen Namenverzeichnis in besonderem Bande. 6. Aufl. Berlin u. Leipzig 1914 – Link: https://archive.org/details/jbc.bj.uj.edu.pl.NDIGKART019317/page/n65/mode/2up

Der Weltkrieg 1914 – 1918. Bd. 1. Die militärischen Operationen zu Lande. Die Grenzschlachten im Westen. Bearbeitet im Reichsarchiv. Berlin 1925 – Link: http://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC01831210/1/

Der Weltkrieg 1914 bis 1918. Bd. 4. Bearbeitet im Reichsarchiv. Die militärischen Operationen zu Lande. Der Marnefeldzug 2. Die Schlacht. Berlin 1926 –Link: http://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/ AC01859855/1/

Der Weltkrieg 1914 – 1918. Bd. 5. Bearbeitet im Reichsarchiv. Die militärischen Operationen zu Lande. Der Herbst-Feldzug 1914. 1. Im Westen bis zum Stellungskrieg, im Osten bis zum Rückzug. Berlin 1929 – Link: http://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC01859873/1/.

Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Bd. 29. Ehemals preußische Truppenteile. 3. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 135. Oldenburg i. O./Berlin 1922 – Link: https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1032199512#page/n0/mode/2up

Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Bd. 343. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Feldartillerie-Regiment Nr. 34. Bearb. v. Siegfried Blume. Oldenburg i. O. 1931 – Link: https://digital.wlb-stuttgart.de/index.php?id=6&tx_dlf%5Bid%5D=18748&tx_dlf%5Bpage%5D=1

Histories of two hundred and fifty-one divisions of the German Army which participated in the war 1914–1918. Link: https://archive.org/details/historiesoftwohu00unit/page/n5/mode/2up

Nachfahrenverzeichnis für Bartholomäus Kaup, geboren am 26.8.1784. Archiv Peter Grasmann

Schlachten des Weltkrieges. In Einzeldarstellungen bearbeitet und herausgegeben im Auftrag des Reichsarchivs. Bd. 18. Argonnen. Oldenburg i. O.-Berlin 1927. – http://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC00634189/1/

 

Online-Ressourcen:

Onlineprojekt Gefallenen-Denkmäler – Link: http://denkmalprojekt.org/index.htm

Open Street Map (Digitales Kartenwerk): https://www.openstreetmap.org

Taufregister der Muttergottespfarrkirche Aschaffenburg 1882, – Quelle: https://data.matricula-online.eu/de

WIKIPEDIA – Die freie Enzyklopädie: Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite

 

Anmerkungen:

[1] Die Schreibweise des Familiennamens Kaup/Kaupp variiert in den verschiedenen Dokumenten und Quellen. Beide Namensformen haben sich bis heute erhalten, sind aber nicht auf bestimmte Ahnen- bzw. Nachfahrenslinien beschränkt. Diese Anomalien treffen auf die meisten voneinander abweichenden Schreibweisen von Familiennamen zu. Ihre Ursache liegen in der Regel in Übertragungsfehlern, schlechter Lesbarkeit von Handschriften in amtl. Registern oder auch im Wechsel der Schriftarten im Laufe der Familiengeschichten begründet. Anm. d. Verf.

[2] Adreßbuch der Stadt Aschaffenburg. Adreß- und Geschäftshandbuch für die Kgl. Bayer. Stadt Aschaffenburg – einschließlich Damm und Leider: Aschaffenburg 1910. S. 47 ff. Nach der Umnummerierung 1937 wurde daraus die Anschrift Ruhlandstraße 37.

[3] Im Bestand Archiv Peter Grasmann.

[4] Quelle: Duisburger Adreßbuch 1912. 1. A. a. O., S. 404 [433](Kaup, Karl). Das Duisburger Adressbuch von 1913, S. 106 [113] belegt Kaups Schwiegermutter „Schnorrenberg, Christ., Wwe.“ durch den Kennbuchstaben „E“ als Eigentümerin des Anwesens. – Siehe auch Abb. 4! In den vorherigen Adressbüchern Duisburgs ist Karl Kaup nicht aufgeführt. Sein Zuzug dürfte also im Laufe des Jahres 1911 erfolgt sein.

[5] Nachdem die Vermisstenmeldung des Roten Kreuzes (siehe Abb. 7!) einen Vermerk der Übermittlung an die 2. Kompanie des 2. b. Jäger-Bataillons enthält, lässt dies den Schluss zu, dass Kaup seine Wehrpflicht zwischen 1907 und 1910 an seinem damaligen Wohnort Aschaffenburg beim 2. Jäger-Bataillon absolviert hat. Anm. d. Verf.

[6] Dafür spricht sein Einsatz an der Westfront schon im September 1914. Anm. d. Verf.

[7] Siehe dazu auch Abb. 5!

[8] Hervorhebung (Fettdruck) durch Verf.

[9] Der Weltkrieg 1914-1918. Bd. 1. A. a. O., S. 103 f.

[10] Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S. 16. Siehe auch Karte 3! Quelle: Erinnerungsbl. dt. Regimenter. Bd. 343. A. a. O., Karten 3 und 4, (bearb. d. Verf.)

[11] Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S. 16.

[12] Siehe Karte 4 für die Tage vom 28.8.–1.9.14!

[13] Siehe Karte 5 zum Vormarsch des Inf.Reg. 135 vom 31.8. bis 10./11.9.1914!

[14] Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. A. a. O. S. 18. Siehe dazu auch Karten 5 und 6!

[15] Siehe Karte 5!

[16] Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S. 22

[17] Siehe dazu auch Karte 8!

[18] Erinnerungsbl. dt. Regimenter. Bd. 29. A. O., S. 23

[19] Siehe Karte 8!

[20] Siehe Karte 8!

[21] Siehe Karte 7, ca. 6,5 km nordwestlich von Varennes!

[22] Siehe Abb. 6!

[23] Schlachten des Weltkrieges. Bd. 18. Die Argonnen. A. a. O., S. 14 ff. Siehe auch Karten 7-9!

[24] Offizielle Bezeichnung der Gefechte in den Argonnen in der Regimentsgeschichte. Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., Anlage 2

[25] Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S. 25

[26] Erinnerungsbl. deutscher Regimenter. Bd. 29. A. a. O., S. 25 f.

[27] Quelle: https://grandeguerre.icrc.org/en/File/Details/3467714/1/2/

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