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Die Freiheitswerkstatt im großen Sitzungssaal des Aschaffenburger Rathauses

Interaktiver Workshop über Hermann Kaspar

„Demokratie bauen!“ betitelt die Kulturregion FrankfurtRheinMain ihre Veranstaltungsreihe im Jahr 2026. Im großen Sitzungssaal des Rathauses befassten sich am 4. Juli 2026 sechs Teilnehmende eines Workshops damit, wer im Nachkriegsdeutschland ganz konkret „mit bauen“ durfte. Im kriegszerstörten Aschaffenburg beispielsweise entstanden auf dem Dalberg das neue Rathaus und der große Sitzungssaal. Die künstlerische Gestaltung übernahm dabei Hermann Kaspar, anerkannter Experte im Bereich der Architekturmalerei. Seine Anerkennung aber hatte er sich mit Aufträgen des nationalsozialistischen Staatsapparates erarbeitet. Damit, so befanden die Workshopleiter Vaios Kalogrias und Markus Schmitt aus dem Stadt- und Stiftsarchiv, eignete sich die Person Hermann Kaspar sehr gut, um sich im Rahmen einer Freiheitswerkstatt mit der Biografie und der Raumgestaltung kritisch auseinanderzusetzen.

Freiheit im Dialog

Das Workshopformat der Freiheitswerkstatt entwickelten Kalogrias und Schmitt erstmals 2024 im Rahmen eines Projektes zum 75jährigen Jubiläum des Grundgesetzes. Damals stand der Aschaffenburger Politiker und NS-Gegner Jean Stock im Mittelpunkt des Interesses. Nun rückte mit Hermann Kaspar eine deutlich widersprüchlichere Persönlichkeit in den Fokus, die in den 1960er-Jahren zum Gegenstand kontroverser Streitgespräche wurde.

Ziel der Freiheitswerkstatt ist, sich anhand von Originalarchivalien mit einer historischen Person zu befassen und dann in einem Rollenspiel mit ihr über den Freiheitsbegriff zu diskutieren. Der Kniff im Workshopformat ist, für diesen Dialog eine abstrakte Ebene einzuziehen, die es den Teilnehmenden ermöglicht, in eine fiktive Rolle zu schlüpfen und eigene Argumentationsmuster zu verlassen. Hierzu entwickeln die Teilnehmenden zunächst Personas mit eigenen individuellen Charakterzügen. Diese Figuren übernehmen sie anschließend im Rollenspiel, um aus ihrer Perspektive heraus einen konstruktiven Dialog zu gestalten.

                                                                                   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rollenspiel im Rathaus

So begegneten sich am 4. Juli im Großen Sitzungssaal des Rathauses zwei Personas: eine, die an die historische Figur Hermann Kaspar angelegt war, und eine weitere, die einen heutigen Charakter verkörperte. Daraus entwickelte sich im Rollenspiel ein spannender Dialog über die Freiheit: über ihre Entstehungsbedingungen, das gesellschaftlichen Miteinander, die Grenzen der Toleranz und die Verantwortung für das eigene Tun und Handeln.

Das Workshop-Protokoll

Das Besondere an der Freiheitswerkstatt ist, dass die Ergebnisse bereits während des Workshops in Form eines Graphik Recordings visualisiert werden. Die erfahrene Graphik Recorderin Brigitte Seibold erfasste die Personas und Diskussionspunkte synchron in eindrucksvoller Geschwindigkeit in großformatigen Zeichnungen. Diese stehen nun als anschauliches und gut nachvollziehbares „Workshop-Protokoll“ zur Verfügung und werden veröffentlicht. So eröffnet der Workshop einen spielerischen Zugang zur Vergangenheit und verbindet historische Themen mit Fragen und Debatten der Gegenwart.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen Video-Kommentar von Professor Dr. Frank Jacob finden Sie hier.

Tagesexkursion im Rahmen von „Demokratie bauen!“

Das Projekt „Demokratie bauen!“ ist damit noch nicht abgeschlossen: Am 17. Oktober 2026 findet im Rahmen des Projektes eine Tagesexkursion zu drei Rathäusern der Kulturregion statt. Der Aschaffenburger Rathaussaal ist an diesem Tag eine Station der Tour. Dort stellen Kalogrias und Schmitt die Freiheitswerkstatt vor und präsentieren die Graphik Recordings des Workshops. Anmeldungen für die Tagesexkursion sind über die Webseite der Kulturregion FrankfurtRheinMain (Rathaustouren – KulturRegion FrankfurtRheinMain) möglich.

Kontakt

Weitere Informationen zum Workshopformat „Freiheitswerkstatt“ erhalten Sie beim Stadt- und Stiftsarchiv. Ihre Anfrage können Sie per E-Mail an stadtarchiv@aschaffenburg.de richten.

Fotos: Vaios Kalogrias